17.6.2024 – LG München II: Haftungsverteilung bei Kollision zweier rückwärts aus nebeneinanderliegenden Waschboxen Ausfahrenden

LG München II vom 22.9.2023, Az. 2 O 1673/22

Zwei Autofahrerinnen wuschen ihre Fahrzeuge in nebeneinanderliegenden Waschboxen. Nach Abschluss der Waschdurchgänge fuhren sie beide rückwärts aus den Boxen aus.

Die Fahrerin des linken Fahrzeugs fuhr geradeaus aus der Box, wohingegen die andere Fahrerin nach hinten rechts gerichtet aus der Box ausfuhr. Sodann kam es zur Kollision.

Die Fahrerin, die rechtsgerichtet ausfuhr, behauptete, sie haben bereits gestanden, als die andere Fahrerin in ihren Wagen gefahren sei.

Das LG München II entschied, dass die Fahrerin, die nach rechts eingeschlagen hatte zu 70% haftet, die andere Beteiligte zu 30%.

Es sei nach der Anhörung des Sachverständigen anzunehmen, dass der Unfall vermieden worden wäre, wenn die Geradeausfahrende frühzeitig gebremst hätte oder die Einschlagende Ihren Fahrverlauf sorgfältiger überwacht hätte.

Die Haftungsabwägung habe eine Quote von 70 % zu 30 % zu Lasten der Einschlagenden ergeben. Die gesteigerte Sorgfaltspflicht beim Rückwärtsfahren sei hier nicht ins Gewicht gefallen, da es sich nicht um Fließverkehr gehandelt habe. Der Verursachungsbeitrag der Einschlagenden überwiege aber, da die Richtungsänderung die Kollision wesentlich wahrscheinlicher gemacht habe, als wenn beide parallel ausgefahren wären.